Stadtviertel La Isleta auf der "ehemaligen Insel"
Hafenviertel "La Isleta" in Las Palmas © las-palmas-24.com

Stadtviertel La Isleta auf der "ehemaligen Insel"

Das authentische Viertel mit unbekannten Traumstrand

Das "kleine Insel" oder La Isleta ist heute durch einen schmalen, künstlich errichteten Landstreifen mit dem Rest der Stadt verbunden und trotz des Namens eigentlich keine Insel mehr. Trotz der Anbindung an die pulsierende Grosstadt hat dieser Stadtteil seinen ganz eigenen Flair behalten. Sowohl der Hafen von Las Palmas als auch der Confital Strand legen neben vielen weitern Sehenswürdigkeiten in diesem Viertel.

Überblick: die „ehemalige Insel"

La Isleta verdankt ihren Namen einer geologischen Tatsache: Vor rund einer Million Jahren stieg das Gebiet als eigenständige vulkanische Insel aus dem Atlantik empor. Erst mit der Zeit verbanden angeschwemmte Sedimente sie über eine schmale Landzunge mit Gran Canaria – ohne diese Landbrücke gäbe es weder den Küstenweg zum Confital noch die Strände Las Canteras und Las Alcaravaneras, die erst durch diese Verbindung entstehen konnten. Bis heute wirkt La Isleta wie ein eigener kleiner Kosmos innerhalb der Hauptstadt: schroffe Lavafelsen, enge Gassen und eine Alltagskultur, die sich spürbar von der Strandpromenade weiter südlich unterscheidet.

Vom Fischerdorf zum ersten Arbeiterviertel der Kanaren

Mit dem Baubeginn des Puerto de la Luz am 26. Februar 1883 verwandelte sich das bis dahin fast menschenleere Gebiet innerhalb von nur 40 Jahren von rund 100 auf etwa 20.000 Einwohner – La Isleta gilt damit als das erste eigentliche Arbeiterviertel der Kanaren. Die neuen Bewohner kamen größtenteils von den Inseln selbst, angezogen von den Jobs rund um den neuen Hafen. Die spätere Ölkrise und der Rückgang des Schiffsverkehrs aus der Sowjetunion und Japan trieben Teile des Viertels später in eine wirtschaftliche und soziale Krise.

Castillo de la Luz: von der Festung zum Kunstmuseum

Die älteste Festungsanlage der Insel wurde ab 1494 zum Schutz der jungen Kolonie gegen Piratenangriffe errichtet, der heutige Bau stammt von 1541. Nach einer aufwendigen Sanierung durch die Architekten Nieto y Sobejano – bei der bewusst auf Rekonstruktion verzichtet und stattdessen die originale Geländehöhe freigelegt wurde – beherbergt das Castillo de la Luz heute die Fundación de Arte y Pensamiento Martín Chirino. Eisenskulpturen des kanarischen Künstlers verschmelzen hier mit der jahrhundertealten Festungsarchitektur und archäologischen Fundstücken. Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag, Führungen können vorab gebucht werden.

Hollywood am Atlantik: die Moby-Dick-Dreharbeiten

Zwischen Ende 1954 und Anfang 1955 verwandelte sich La Isleta für kurze Zeit in ein Filmstudio: John Huston drehte hier mit Gregory Peck große Teile von „Moby Dick" (1956). Rund hundert kanarische Zimmerleute bauten in den Werften der Hull-Blyth-Kohlengesellschaft eine gut 65 Meter lange Nachbildung des weißen Wals, die anschließend durch die Gewässer von Puerto de La Luz und El Confital gezogen wurde. Etwa 20 bis 25 Filmminuten des fertigen Werks entstanden in Las Palmas, rund 70 Einheimische wirkten an der Produktion mit. Zum 70. Jahrestag im Juni 2025 ehrte die Stadtverwaltung die damaligen Beteiligten offiziell – bis heute erinnert sich das Viertel gerne an diese kurze Hollywood-Episode am Rand des Atlantiks.

Las Coloradas und die Steinwüste: Naturschutz am Rand der Stadt

Oberhalb der Bucht liegt mit der Siedlung Las Coloradas eines der eigenwilligsten Viertel der Stadt: eine kleine, dicht bebaute Enklave mit kaum mehr Infrastruktur als einer Schule, einer Apotheke und einem Fußballplatz. Weil das gesamte umliegende Gebiet als Paisaje Protegido de La Isleta unter Landschaftsschutz steht, ist eine bauliche Erweiterung praktisch unmöglich – dafür bietet der Ort einen der schönsten Panoramablicke auf Las Palmas und den Confital-Strand. Wer weiter Richtung Nordspitze blickt, sieht die Steinwüste Isleta und die Lavaformation Las Monjas – karge, vulkanisch geprägte Landschaften, die einen deutlichen Kontrast zum quirligen Hafenalltag setzen. Auch prähistorische Spuren finden sich hier: Die Höhlen der Ureinwohner zeugen von einer Besiedlung lange vor der spanischen Eroberung.

El Confital: Traumstrand mit Einschränkung

Der Strand El Confital gilt zu Recht als einer der schönsten und unberührtesten Strände der Stadt – naturbelassen, weitläufig und bei Kennern vor allem als Surfspot mit einer der besten Wellen Europas geschätzt. Bei aller Begeisterung gehört zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme aber auch: Seit April 2017 ist das Baden hier offiziell untersagt, nachdem wiederholt erhöhte Werte fäkalbürtiger Bakterien in den Analysen des kanarischen Gesundheitsamts festgestellt wurden. Trotz jahrelanger Suche konnte die genaue Verschmutzungsquelle bislang nicht identifiziert werden, seither weht am Confital dauerhaft die rote Flagge – auch wenn viele Einheimische und Surfer weiterhin baden. Vor Veröffentlichung prüfen: aktueller Status der Wasserqualität über das Náyade-System bzw. die Seite „Ciudad de Mar" des Ayuntamiento.

Plaza Manuel Becerra: Herzstück und Verkehrsknotenpunkt

Sozialer und verkehrstechnischer Mittelpunkt des Viertels ist die Plaza Ingeniero Manuel Becerra, seit einer umfassenden Umgestaltung 2014/2015 die zentrale Guaguas-Terminal des Nordens: Neun Linien laufen hier zusammen und befördern zusammen rund 14,5 Millionen Fahrgäste im Jahr. Seit den Fiestas del Carmen 2023 ist der Platz zudem offizieller Festplatz des Viertels. Nicht zu verwechseln ist er mit dem weiter südlich gelegenen Platz La Puntilla am Übergang zum Canteras-Strand.

Barrio Chino, Bazare und Einkaufsstraße Rejón

In den 1960er- und 70er-Jahren erlebte die Calle Andamana als sogenanntes „Barrio Chino" ihre Blütezeit – ein Begriff, der in Spanien traditionell nichts mit chinesischen Einwanderern zu tun hat, sondern (wie beim berühmten Barrio Chino von Barcelona) ein Rotlicht- und Vergnügungsviertel mit Bars, Kabaretts und Bordellen bezeichnet. Der Bau des heutigen IES La Isleta, im Viertel bis heute liebevoll „El Lechuga" genannt, entstand seinerzeit am Fuß dieser Straße. Ironischerweise bekam das Viertel Jahrzehnte später eine ganz andere, diesmal tatsächlich chinesisch geprägte Facette: Bis vor wenigen Jahren reihten sich in der Calle La Naval und der Calle Juan Rejón zahlreiche chinesische Import-Bazare aneinander, in denen sich Uhren, Sonnenbrillen und Kleinwaren schon für 3 Euro finden ließen. Mit dem Siegeszug von AliExpress und Temu verlieren jedoch auch diese Läden zunehmend ihre Kundschaft und schließen nach und nach – ein weiteres Kapitel im ständigen Wandel des Viertels. Zum Alltagsleben gehört daneben die Einkaufsstraße Rejón mit ihren verbliebenen traditionellen Geschäften.

Militärzone: gesperrte Gipfel und Puerto de la Luz

Ein großer Teil der Halbinsel – 474 Hektar – ist bis heute militärisches Sperrgebiet der Base General Alemán Ramírez, mit Kasernen, Schießständen, Festungsresten und sogar einem Militärgefängnis. Zwei der drei markanten Vulkankegel der Isleta, die Montaña del Faro (249 m, höchster Punkt der Halbinsel, mit dem Leuchtturm) und die Montaña del Vigía, liegen komplett innerhalb dieser Zone. Wer hofft, einfach zum Leuchtturm hochzuwandern oder die Kuppen mit dem Mountainbike oder dem Auto zu erreichen, wird enttäuscht: Der Zugang ist Zivilpersonen grundsätzlich untersagt. Selbst die wenigen offiziellen, geführten Wanderungen des Cabildo Gran Canaria durch das geschützte Naturgebiet der Militärzone sind derzeit ausgesetzt. Ironischerweise hat gerade diese jahrzehntelange Abriegelung dazu geführt, dass sich hier eine der letzten naturbelassenen Landschaften der Stadt erhalten konnte. Im Süden schließt sich der Puerto de la Luz an, einer der wichtigsten Warenumschlaghäfen Nordafrikas: 2024 verzeichnete er rund 11.700 Schiffsanläufe – umgerechnet gut 30 pro Tag – bei einem Rekord-Frachtaufkommen von 27,5 Millionen Tonnen.

La Isleta im Wandel: Gentrifizierung und Ferienwohnungen

Der wohl größte Umbruch der letzten Jahre ist kein baulicher, sondern ein sozialer: Eine Studie der Universität La Laguna zum Bezirk Isleta-Puerto-Guanarteme kommt zu dem Schluss, dass hier sämtliche klassischen Merkmale einer Gentrifizierung zusammentreffen – Preisanstieg, Wandel des sozialen Gefüges und intensive Touristifizierung. Der durchschnittliche Verkaufspreis liegt inzwischen bei über 3.300 €/m², die Mieten haben sich seit 2017 auf rund 15 €/m² verdoppelt. Nachbarschaftsvertreter sprechen bereits von einem „Exodus" langjähriger Bewohner, die sich ihr Viertel nicht mehr leisten können. Die Stadtverwaltung hat inzwischen gegengesteuert: In den als „traditionelle Viertel" eingestuften Zonen von La Isleta sind neue Ferienwohnungen inzwischen verboten – erlaubt bleiben sie nur noch rund um die Juan Rejón, La Naval, La Puntilla und die Siedlung Nueva Isleta.

Attraktionen in der Nähe

Sehenswürdigkeit Kurzbeschreibung
Castillo de la Luz Älteste Festung der Insel, heute Kunstmuseum
Höhlen der Ureinwohner Prähistorische Spuren der Urbevölkerung
Küstenweg zum Confital Promenade entlang der Nordküste
Platz La Puntilla Übergang zum Canteras-Strand
Lavaformation Las Monjas Markante Felsformation an der Küste
Siedlung Las Coloradas Geschütztes Höhenviertel mit Panoramablick
Militärzone Kasernen der spanischen Marine
Plaza La Becerra Sozialer Mittelpunkt des Viertels
Strand El Confital Naturstrand mit aktueller Badewarnung
Einkaufsstraße Rejón Traditionelle Ladenzeile
Surfspot El Confital Eine der besten Wellen Europas
Steinwüste Isleta Karge Vulkanlandschaft im Norden

Verkehrsverbindungen

  • Guaguas Municipales Linien 1, 3, 17 und 45 verbinden die Innenstadt mit La Isleta
  • Fahrradweg ab Parque Santa Catalina entlang des Hafens bis zum Castllo de la Luz
  • Fußläufig erreichbar über die Strandpromenade Canteras in ca. 20–30 Minuten
  • Taxistand an der Plaza La Becerra