Arucas: Kathedrale, Bananenanbau und die Erben der Marquesa
Rundgang zwischen Basaltkirche, Bananenanbau, Rumfabrik und Wasserbörse
Arucas im Norden Gran Canarias vereint die neugotische Kathedrale San Juan Bautista, weite Bananenplantagen und die Geschichte der einflussreichen Heredad de Aguas. Im Jardín de la Marquesa und der Hacienda del Buen Suceso lebt das Erbe des Landadels fort, während die Rumfabrik Arehucas mit Führungen und Verkostung lockt.
Überblick
Arucas liegt im Norden Gran Canarias, nur rund 10 km von Las Palmas de Gran Canaria entfernt, und ist mit knapp 38.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Insel. Das Stadtbild wird von einer imposanten, dunklen Kirche beherrscht, die viele Besucher für eine Kathedrale halten – tatsächlich war Arucas nie Bischofssitz. Rundherum erstrecken sich Bananenplantagen, die der Stadt über Jahrzehnte Wohlstand brachten, während im historischen Zentrum noch heute vom einstigen Wasserhandel, dem Landadel und der berühmten Rumfabrik Arehucas erzählt wird.
Die neugotische Kirche San Juan Bautista
Das Wahrzeichen von Arucas ist die Pfarrkirche San Juan Bautista, die im Volksmund „Kathedrale von Arucas" genannt wird, obwohl sie nie ein Bischofssitz war. Der katalanische Architekt Manuel Vega y March entwarf den neugotischen Bau nach dem Vorbild der Kathedrale von Barcelona. Die Bauarbeiten begannen 1909, die Kirche wurde 1917 für den Gottesdienst geöffnet, doch fertiggestellt war sie erst 1977 – nach fast 70 Jahren Bauzeit. Errichtet wurde sie aus dunklem, vulkanischem Arucas-Basalt, der von lokalen Steinmetzen, den „labrantes", von Hand bearbeitet wurde. Im Inneren beeindrucken bunte Glasfenster der französischen Werkstatt Maumejean sowie mehrere Seitenkapellen.
Bananenplantagen und die „Hauptstadt der Bananen"
Seit dem 19. Jahrhundert prägt der Bananenanbau die Wirtschaft und das Landschaftsbild rund um Arucas – bis heute wird die Stadt von Einheimischen scherzhaft als „Hauptstadt der Bananen" bezeichnet. Die milden Temperaturen, der fruchtbare Vulkanboden und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem machten die Region zu einem der wichtigsten Anbaugebiete Gran Canarias. Gut erhaltene Patrizierhäuser im Kolonialstil im Stadtzentrum erinnern an den Wohlstand jener Zeit, als der Bananenexport die Region reich machte.
Die Heredad de Aguas – Geschichte des Wasserhandels
Voraussetzung für den Plantagenanbau war eine geregelte Wasserverteilung: Die Heredad de Aguas de Arucas y Firgas verwaltete bereits seit dem frühen 16. Jahrhundert die Wasserrechte der Region. Sie organisierte den Bau von rund 33 Kilometern Bewässerungskanälen von den Bergen bis zur Küste und teilte das Wasser in festen Zyklen von 31 Tagen unter den Grundbesitzern auf – eine frühe Form des institutionalisierten Wasserhandels, bei dem Wasseranteile wie Vermögenswerte gehandelt und vererbt wurden. Der repräsentative Sitz der Heredad, ein Herrenhaus im Zentrum von Arucas, wurde zwischen 1908 und 1912 nach Plänen des Architekten Fernando Navarro errichtet und ist bis heute Verwaltungssitz der Institution.
Jardín de la Marquesa und das Erbe der Marquesa von Arucas
Am Ortsrand Richtung Bañaderos liegt der Jardín de la Marquesa, auch Jardín de las Hespérides genannt. Um 1880 ließ der erste Marqués de Arucas, Ramón Madan y Uriondo, hier ein Palacete im romantischen Stil errichten und begann, Pflanzenarten aus aller Welt zu sammeln – heute zählt der Garten mehrere hundert bis über 2.500 dokumentierte Arten von allen fünf Kontinenten. Teiche, Pavillons im indischen Stil und ein kleines Steinschloss prägen das besuchbare Gartenareal rund um das historische Herrenhaus der Marquesenfamilie.
Hacienda del Buen Suceso – Hotel in historischem Gemäuer
Gleich neben dem Garten liegt die Hacienda del Buen Suceso, ein Landgut aus dem 16. Jahrhundert, das einst zum Besitz der Marquesa gehörte und heute als Hotel Rural geführt wird. Umgeben von Bananenplantagen, wurden in der Innenausstattung historische Elemente wie steinerne Viehtränken bewahrt und in das Ambiente integriert – ein Übernachtungserlebnis mit deutlich spürbarer Geschichte.
Die Arehucas Rumfabrik
Am Ortsrand Richtung Firgas liegt die älteste Rumbrennerei Europas: Am 9. August 1884 öffnete die „Fábrica de San Pedro" ihre Tore, zunächst vor allem zur Zuckerproduktion. Nach der Schließung in den 1920er-Jahren wurde der Betrieb 1940 unter Alfredo Martín Reyes neu belebt und firmiert seit 1965 als Destilerías Arehucas. Heute reifen hier über 6.000 Eichenfässer im ältesten Rumkeller Europas, viele signiert von prominenten Besuchern. Werksführungen finden werktags vormittags statt, ein angeschlossenes Museum informiert über die Geschichte der Rum- und Zuckerproduktion, und am Ende der Tour wartet eine kostenlose Verkostung.
Verkehrsverbindungen
Arucas liegt etwa 10 km nordwestlich von Las Palmas de Gran Canaria und ist mit mehreren Guagua-Global-Buslinien gut angebunden: Linie 205 (Las Palmas – Tamaraceite – Arucas), Linie 206 (Las Palmas – Bañaderos – Arucas), Linie 210 (Las Palmas – Cardones – Arucas) sowie die Direktverbindung Linie 234. Innerhalb der Region verkehren zudem Linie 211 (Arucas – Firgas) und Linie 215 (Teror – Arucas – San Felipe)
Attraktionen in der Nähe
| Ort / Attraktion | Entfernung ab Arucas | Besonderheit |
|---|---|---|
| Montaña de Arucas (Aussichtspunkt) | ca. 1,2 km | Vulkankegel mit Panoramablick über die Nordküste |
| Bañaderos (Küste) | ca. 3,4 km | Naturschwimmbecken und Küstenpromenade |
| Teror (Basílica del Pino) | ca. 4,8 km | Wallfahrtsort mit kanarischer Architektur |
| Firgas | ca. 5,1 km | Bekannt für Mineralwasser und die „Paseo de Gran Canaria" |
| Moya | ca. 6,2 km | Steilküste und Barranco de Moya |
| Las Palmas de Gran Canaria | ca. 10,3 km | Inselhauptstadt mit Playa de Las Canteras |